Montag, 22. August 2011

Kinoreview - MIDNIGHT IN PARIS (Kritik)


KINO: Midnight in Paris
Es lässt sich kaum bestreiten, „Midnight in Paris“ ist ein weiterer, Fernweh schürender Film über die Stadt der Liebe. Aber insbesondere ist es Woody Allens persönliches Liebesbekenntnis an die schönen Künste dieser Welt. Ein Loblied auf die kreative, Genuss orientierte Avantgarde und die Kraft, die Paris seit jeher auf sie ausübte. 8/10
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> Meine ganze Kritik zum Film


Midnight in Paris
Woody Allen ist seit jeher der Inbegriff des intellektuellen Romantikers. Umso erstaunlicher, dass es den Filmemacher während seiner 40-jährigen Karriere noch nie wirklich in die Stadt der Liebe verschlagen hatte, um sie dem Zuschauer durch seine verkopfte, rosarote Brille zu präsentieren - auf eine Weise, die bereits New York oder London in Allen'sche Filmmetropolen verwandelte.

Der erste Eindruck von „Midnight in Paris“ könnte so manchen irritieren. Owen Wilson übernahm nicht nur die Hauptrolle, sondern entwickelt innerhalb kürzester Zeit schauspielerische Qualitäten - über die er womöglich bereits vorher verfügte, sie jedoch so sorgfältig hütete, wie Woody Allen seine Sammlung schwarzer Pantobrillen. Tatsächlich kann der Zuschauer Wilson regelrecht dabei beobachten, wie er in die Fußstapfen von Allen hineinwächst und nach dem ersten Akt als verjüngte Version mit gebogener Nase des 75-jährigen Filmemachers wiedergeboren wird. Der Film selbst beginnt als Verbeugung vor Paris und taucht die französische Hauptstadt in gefällige Bilder. Wie bereits unzählige Male zuvor, verfällt der Zuschauer auch im Falle von „Midnight in Paris“ in eine Sehnsucht nach dem Pariser Lebensgefühl, das die Herzen wie kein anderes berührt. Doch die Schönheit von Paris einzufangen war nicht Allens primäres Ziel. Was wie eine filmische Sightseeingtour beginnt, entwickelt sich zusehends in einen Schrein der Künste. Ein Bekenntnis an die kreativen Bohemien der vergangenen Epochen. Literatur, Musik, Wein, Philosophie, die bildenden und darstellenden Künste, Woody Allen lässt seiner Liebe für alles, was ihn selbst die vergangenen 75 Jahre berührte und inspirierte in den Film einfließen. Einmal zu tief in eigenen Assoziationen geschwelgt und der Zuschauer verpasst einige seiner unzähligen Anspielungen.

Soviel Schönheit und Liebe zur Kunst hat jedoch auch seinen Preis. Der typische Zynismus und intellektuelle Reflexivität Woody Allens tritt nur punktuell zu Tage und überlässt die Bühne ansonsten der weltoffenen und naiven Weltanschauung seines Protagonisten und den geistreichen Debatten seiner altehrwürdigen Künstler. „Midnight in Paris“ ist kein „The Purple Rose of Cairo“ und kein „Scoop“, kein Film, der sich nur mit Esoterik, Glauben oder Psychologie begründen ließe. Viel mehr kann dieses Werk als waschechter Sci-Fi-Film angesehen werden, der mit der Wirklichkeit und der Existenz anderer, surrealer, aber nicht minder wahrhaftiger Welten spielt. Wie sprach Salvador Dali gekonnt: „Ein Mann zwischen zwei Welten ist für Surrealisten das Selbstverständlichste auf der Welt.“ Woody Allen ist dieser Mann und wandelt nicht zum ersten mal zwischen den Realitäten umher.

Es lässt sich kaum bestreiten, „Midnight in Paris“ ist ein weiterer, Fernweh schürender Film über die Stadt der Liebe. Aber insbesondere ist es Woody Allens persönliches Liebesbekenntnis an die schönen Künste dieser Welt. Ein Loblied auf die kreative, Genuss orientierte Avantgarde und die Kraft, die Paris seit jeher auf sie ausübte. Der Film ist die Summe aller Einflüsse, die Allen während seinem langen Leben prägten - und somit auch uns. (Originalkritik für KultHit.de)

8/10

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