Montag, 22. August 2011

Kinoreview - CRAZY STUPID LOVE (Kritik)


KINO: Crazy Stupid Love
Einfach zum Verlieben: Eine gesunde Mischung aus geistreichen Indie-Momenten, einer ironischen Abstraktion der klassischen Liebesthematik und Hollywood typischer Herz-Schmerz-Theatralik. Ein Hybrid, der sich aus Elementen beider Welten - des kitschigen Hollywoods und der kleinen, in sich gekehrten Indieszene - zusammensetzt. 9/10
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Crazy Stupid Love
Entweder man vergöttert den Boden auf dem sie wandeln oder man verdreht bei ihrem Anblick genervt die Augen. Die Rede ist von den romantischen Indiependentfilmen des US-amerikanischen Kinos. Weder Komödie, noch Liebesfilm, noch Drama, bestimmen diese Filme ihre eigenen Genreregeln und erfreuen sich damit nicht erst seit dem Überraschungshit „(500) Days of Summer“ auch abseits der Fankreise immer größerer Beliebtheit - eine Entwicklung, die „Crazy Stupid Love“ zusätzlich begünstigen dürfte.

Wer auf der Suche nach der einen wahren, großen und immer währenden Liebe ist und darauf vertraut, dass das Schicksal irgendwann den Weg weist, dürfte aufgrund von „Crazy Stupid Love“ eine gewisse Enttäuschung erleben. Nicht, weil der Film nicht über Herz, Einfühlungsvermögen und einem sicheren Auge für glaubwürdige Romantik verfügt, sondern weil die wahre Liebe in ihrer verklärten, romantisierten Darstellung schlicht ungenannt bleibt. Jeder Handlungsstrang repräsentiert eine andere Form von „Liebe“, sei es die in die Jahre gekommene, die sich langsam und unmerklich verwandelte. Oder eine noch junge und flüchtige Liebe, die sich einem plötzlich offenbart, aber sich erst noch beweisen muss. Nicht zu vergessen die unschuldige, erste Liebe, mit all ihren hormonellen Peinlichkeiten. Das Geheimnis des Films steckt in der entwaffnenden Ironie der Charaktere und ihren geistreichen, selbstreflexiven Beobachtungen. Trotz des Ehrfurcht einflößenden Schauspielensembles - Julianne Moore, Emma Stone, Marisa Tomei, Kevin Bacon, Steve Carell und Ryan Gosling, egal ob Männlein oder Weiblein, diese Zusammenstellung lässt keinen Hormonhaushalt unberührt - verkommt der Film weder zu einer One(wo)man-Show, noch läuft er Gefahr, durch die großen Namen erdrückt zu werden. Im Gegenteil, besonders Carell und Gosling spielen gekonnt gegen ihr sonst übliches Rollenstereotyp an. Tomei und Moore blieben sich treu, ebenso Emma Stone, die mit ihren fünf großen „S“ - Schauspieltalent, Sexsymbolik, Säuferstimme, Sommersprossen, und Schweinelächeln - die altmodischen Vorstellungen eines Everybody's Darling Hollywoods gründlich generalüberholt. Der Film steht mit beiden Beinen auf dem Boden und zeigt mit seiner Generationen übergreifenden Zurschaustellung täglicher Beziehungsprobleme auf zurückhaltende Weise, dass wir im Verlauf unseres Lebens mit den verschiedensten Formen der Liebe zu kämpfen haben. Der sentimentale Ausrutscher, den sich „Crazy Stupid Love“ in seinen letzten Minuten leistet, trübt die Begeisterung, besonders weil der zweite Akt mit einer charmanten Screwball-Szene endet. Die zuvor nur zärtlich angedeutete, romantische Botschaft wird dadurch anstatt mit Amors subtilen Holzpfeilen mit einer alles zerschlagenden Nagelpistole an die Wand geschlagen.

„Crazy Stupid Love“ ist eine gesunde Mischung aus geistreichen Indie-Momenten, einer ironischen Abstraktion der klassischen Liebesthematik und Hollywood typischer Herz-Schmerz-Theatralik. Ein Hybrid, der sich aus Elementen beider Welten - des kitschigen Hollywoods und der kleinen, in sich gekehrten Indieszene - zusammensetzt. Der Film ist nicht so experimentierfreudig und verspielt wie „(500) Days of Summer“, aber auch nicht auf eine Weise kitschig-sentimental wie es beispielsweise „Tatsächlich Liebe“ war. „Leben und Lieben in L.A.“ trifft auf „Dan - Mitten im Leben“ und einer Prise „Einfach zu haben“, so könnte der Film recht treffend umrissen werden. (Originalkritik für KultHit.de)

9/10

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